Nachbetrachtung der Veranstaltung: Marx über die historischen Grenzen des Kapitalismus

Am Dienstag, den 2. Oktober haben wir im Rahmen der Bündnisreihe „Kapitalismus
in der Krise“ unsere akl-Veranstaltung mit Prof. Dr. Götz Dieckmann als Referenten
durchgeführt. Der Genosse Götz Dieckmann hat über Marx‘ „Grundrisse der Kritik der
Politischen Ökonomie“ einen Bogen zur heutigen Situation des Kapitalismus an Hand
von acht Thesen gezogen. Durch gut dosierte Hinweise auf Textstellen und weiterer
Literatur hat uns der Genosse zur weiteren Vertiefung angeregt.
In seiner Vorstellung hat Götz schlussfolgernde Erfahrungen gemacht, in denen das
Zusammenspiel von Widerstand und Selbstbefreiung einen zentralen Platz einnimmt.
Grundlage allen revolutionären Handelns muss aber die Frage stehen: Wie würde Marx
Analyse heute aussehen?
Die Welt hat sich in 150 Jahren verändert. Es leben heute fünf Mal so viele Menschen
auf der Welt und die Endlichkeit unserer Rohstoffe wird immer sichtbarer. Dies muss
auch Auswirkungen auf unsere Analyse haben. Neben dem Bereich des historischen
Marxismus helfen uns hierbei die Erkenntnisse der Mehrwerttheorie. Götz Dieckmann
interpretierte Marx Arbeit über die „Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie“ als
eine Selbstverständigungsschrift.
Er interpretiert – ausgehend vom Unterschied zwischen Geld und Kapital – (wobei
letzteres durch den Faktor Arbeit Mehrwert schafft) den Verlauf der antagonistischen
Klassengesellschaft anhand der Entwicklung der Profitrate. Ihr Ausdruck in dem Verlauf
der DAX-Kurse an der Börse verlaufe parallel zu den politischen Ereignissen. Wir
müssen uns also mit dem Verlauf der Profitrate beschäftigen, wenn wir den Kapitalismus
verstehen und überwinden wollen. Das Absinken der Profitrate ist eine Gesetzmäßigkeit.
Von dieser Erkenntnis ausgehend entwickelte Götz acht Thesen aus den Grundrissen.
Nach einigen Gesprächen mit Teilnehmern unserer Veranstaltung bin ich zu dem
Schluss gekommen, dass – ganz nach dem Motto: Der Marxismus dient dem
revolutionären Menschen Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, um eine Beziehung auf
die Praxis herzustellen, die auf die Zukunft ausgerichtet ist – dies eine gelungen
Veranstaltung war.
Sie diente vor allem der Möglichkeit sich selbst mit seinen eigenen Positionen in Frage
zu stellen, sich auf etwas Neues einzulassen, die häufig verlernte Neugier unter den
Linken wieder zu erwecken und nach vorne zu schauen.
Was will man mehr? Wir wollen an dieser positiven Erfahrung anknüpfen.

Tilman Rosenau
09.10.12