Griechenland, EU und Euro in der Krise 3. Hamburger Veranstaltungsreihe von September – November 2015

Die dramatischen Ereignisse um Griechenland zeigen: Die Weltwirtschaftskrise ist nicht vorbei. Der Schwelbrand hat sich weitergefressen und lodert immer wieder neu auf. Die Immobilienkrise hat die Bankenkrise angestoßen. Die Staaten haben die Banken mit gigantischen Summen gerettet. Dafür haben die Staaten teure Kredite am Kapitalmarkt aufgenommen. Das hat die Staatsverschuldung überall in schwindelnde Höhen schnellen lassen. Die durch die Krise geschwächten und durch die deutsche Exportwalze deindustrialisierten südeuropäischen Staaten können die Schuldenlast nicht mehr tragen. Zahlungsausfall droht für die Gläubiger, insbesondere französische und deutsche Banken. Die EZB und die großen europäischen Staaten kaufen den Großbanken die faulen Staatspapiere (Kredite) zu überhöhten Preisen ab. Die neuen staatlichen Gläubiger diktieren den Schuldnerstaaten neoliberale „Reformen“, beschleunigen so die Verarmung insbesondere in Südeuropa und machen die Staaten zu Halbkolonien. Eine besondere Rolle spielt dabei die Hegemonialmacht in der EU: Deutschland.

So wird der Widersinn vor unseren Augen auf die Spitze getrieben: Die Menschheit könnte durch die rasante Entwicklung der Technologie mit immer weniger Arbeit immer besser leben. Tatsächlich aber frisst sich das Elend der Dritten Welt immer weiter auch nach Europa hinein.

Diese knappe Beschreibung und Bewertung der Entwicklung werden die meisten Linken teilen. Hinter dieser oberflächlichen Gemeinsamkeit hat das griechische Drama aber die gravierenden Unterschiede in der Einschätzung der Lage und den strategischen Ansätzen schonungslos offengelegt. Diese substanziellen Meinungsverschiedenheiten sollen im Mittelpunkt unserer neuen Veranstaltungsreihe „Griechenland, EU und Euro in der Krise“ stehen.

  • Ist die Griechenlandkrise die Zuspitzung einer verfehlten, aber korrigierbaren neoliberalen Politik, die das „Finanzcasino“ befeuert, statt es zu beschränken, oder ist sie Symptom dafür, dass der Kapitalismus ohne die staatsmonopolistische Schuldenökonomie gar nicht mehr bestehen kann?
  • Hat Griechenland durch einen Schuldenschnitt und einen „Marshallplan“ noch eine realistische kapitalistische Entwicklungsperspektive oder hat der heutige Kapitalismus für Griechenland nur noch das Elend der „dritten Welt“ zu bieten?
  • Muss man trotz des Sieges der Erpresser um Schäuble Co. im Juli an der EU festhalten, weil sie immerhin ein Schutzwall gegen Nationalismus und Rechtspopulismus ist und weil sie mit starken linken Bewegungen wie Syriza in vielen Ländern zugleich in ein soziales und friedliches Projekt transformierbar ist oder ist die EU ein nicht reformierbares, imperialistisches Projekt und wird die Einheit der europäischen Völker gerade durch den gemeinsamen Kampf gegen die EU hergestellt?
  • Ist das Scheitern von Syriza nur das Ergebnis blanker Erpressung oder auch zugleich das notwendige Scheitern ihres Reformismus?
  • Sind die unterschiedlichen Positionierungen etwa der USA und Deutschlands Ausdruck und Ergebnis konkurrierender geostrategischer Interessen und was hat das mit den Kriegen im Nahen/Mittleren Osten und der Ukraine zu tun?

Wie in den Veranstaltungsreihen 2012 „Kapitalismus in der Krise“ und 2013 „Bürgerliche Herrschaft in der Krise“ haben sich Organisationen aus dem linken Spektrum zusammengefunden und Fachleute (u.a. Andreas Wehr) eingeladen. Unser Ziel ist es, die Fragen solidarisch zu diskutieren, Kontroversen schonungslos offenzulegen und damit gemeinsam einer Lösung näherzukommen.

Veranstalter ist das Bündnis „Kapitalismus in der Krise“:

AGORA Hamburg, Antikapitalistische Linke (AKL) Hamburg, Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD Hamburg, Assoziation Dämmerung, CubaSi, Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Hamburg, Friedenswerkstatt Hamburg, Gruppe Arbeiterpolitik, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V., Kommunistische Plattform (KPF) Hamburg „Clara Zetkin“,  Marxistische Abendschule MASCH e.V., Roter Aufbau Hamburg (aufbau), Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Hamburg

Kontakt: www.kapitalismus-in-der-krise.de / veranstaltungsreihe@gmx.de